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Ein Ulcus cruris ist weit mehr als „nur“ eine chronische Wunde. Für Betroffene bedeutet das offene Bein häufig Schmerzen, eingeschränkte Mobilität und eine deutliche Belastung im Alltag. Gleichzeitig zählt die Versorgung zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Versorgungsalltag der Apotheke.

Entscheidend für den Therapieerfolg ist ein strukturiertes Vorgehen: Ursachen erkennen, Wundsituation richtig einschätzen, Kompression konsequent umsetzen und die Betroffenen langfristig begleiten. Besonders beim venösen Ulcus cruris gilt die Kompressionstherapie heute als zentraler Baustein der Behandlung. Dabei zeigt sich auch die Relevanz im Versorgungsalltag: In der Altersgruppe der 70 bis 79-Jährigen sind fast 3 % von venösen Ulzera betroffen.

Schritt für Schritt zur erfolgreichen Versorgung

1. Ursache erkennen statt nur die Wunde behandeln

  • auf typische Zeichen achten
  • Beschwerden gezielt erfragen
  • bei Unsicherheiten zur ärztlichen Abklärung raten

Hinweise auf ein venöses Ulcus:

  • häufig im Bereich des Innenknöchels
  • nässende Wunde
  • Ödeme
  • schwere oder gespannte Beine
  • bräunliche Hautveränderungen

Warnzeichen für arterielle Beteiligung:

  • starke Schmerzen
  • kalte Füße
  • blasse Haut
  • schlecht tastbare Pulse

Gerade hier zeigt sich die Bedeutung einer interdisziplinären Versorgung zwischen Arztpraxis, Apotheke und Wundmanagement.

2. Risikofaktoren frühzeitig erkennen

Viele Einflussfaktoren fördern die Entstehung venöser Erkrankungen und chronischer Ulzera. Besonders relevant sind dabei Belastungen, die den Rücktransport des Blutes behindern, die Venenwand schwächen oder die Muskelpumpe einschränken.

Alles, was den Rücktransport des Blutes aus den Beinen behindert

  • zu enge Kleidung
  • Schwangerschaft
  • Sportarten mit starker Bauchpresse
  • schweres Heben
  • chronischer Husten oder Verstopfung
  • langes Sitzen
  • Beine übereinanderschlagen
  • Übergewicht

Alles, was die Venenwand erschlaffen lässt

  • hormonelle Einflüsse wie Pille, Wechseljahre oder Schwangerschaft
  • Alkohol
  • Wärme
  • familiäre Veranlagung

Alles, was die Muskelpumpe behindert oder ausschaltet

  • langes Stehen oder Sitzen
  • hohe Absätze
  • Lähmungen

Gerade hier können Apotheken durch Beratung einen wichtigen Beitrag leisten, etwa durch Aufklärung zu Bewegung, Hautpflege und konsequenter Kompression.

3. Wundversorgung phasengerecht anpassen

Eine moderne Ulcus-Therapie verfolgt das Ziel, ein sauberes, feuchtes und geschütztes Wundmilieu zu schaffen.

Dabei gilt: Nicht jede Wunde benötigt dieselbe Versorgung.

Wichtige Aspekte:

  • regelmäßige Wundreinigung
  • atraumatisches Debridement (schonende Entfernung von Belägen und abgestorbenem Gewebe)
  • Exsudatmanagement (Kontrolle und Aufnahme von Wundflüssigkeit)
  • Schutz der Wundränder und Umgebungshaut

Besonders venöse Ulcera zeigen häufig eine starke Exsudation. In der Entstauungsphase können daher superabsorbierende Wundauflagen sinnvoll sein, die auch unter Kompression zuverlässig Flüssigkeit aufnehmen.

Ebenso wichtig:
Die Haut rund um die Wunde darf nicht vergessen werden. Trockene und empfindliche Haut profitiert von einer konsequenten Pflege mit hautschonenden, hypoallergenen Produkten.

4. Kompression ist keine Ergänzung, sondern Therapiegrundlage

Die aktuelle Leitlinie formuliert es eindeutig:
Beim Ulcus cruris venosum gehört die medizinische Kompressionstherapie zum Therapiestandard. Sie beschleunigt die Abheilung und reduziert das Risiko für Rückfälle deutlich.

In der Praxis erfolgt die Versorgung meist in mehreren Phasen:

Entstauungsphase
Bandagierung mit Kompressionssystemen zur Reduktion von Ödemen.

Erhaltungsphase
Umstellung auf medizinische Kompressionsstrümpfe oder Ulkus-Strumpfsysteme.

Rezidivprophylaxe
Dauerhafte Kompression zur Stabilisierung der Versorgungssituation.

Für Apotheken entsteht hier echter Beratungsmehrwert:

  • Auswahl geeigneter Materialien
  • Unterstützung bei Anziehhilfen
  • Erklärung der richtigen Anwendung
  • Motivation zur Therapietreue

Denn die beste Versorgung hilft nur, wenn sie konsequent getragen wird.

5. Auf Warnsignale achten

Bleibt die Heilung trotz leitliniengerechter Versorgung aus, sollte die Situation neu bewertet werden. Laut Leitlinie sollte spätestens nach sechs Wochen eine erkennbare Heilungstendenz vorliegen.

Warnsignale:

  • zunehmende Schmerzen
  • starke Geruchsbildung
  • auffällige Beläge
  • fehlende Heilung
  • Hautveränderungen
  • neue Nekrosen (abgestorbenes Gewebe)

Hier ist die enge Abstimmung mit Arztpraxis oder Wundzentrum entscheidend.

6. Versorgung endet nicht mit dem Wundverschluss

Auch nach der Abheilung bleibt das Risiko für ein erneutes Ulcus hoch. Deshalb ist die langfristige Nachversorgung ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.

Dazu gehören:

  • konsequente Kompression
  • Hautpflege
  • Bewegung
  • Gewichtskontrolle
  • regelmäßige Nachversorgung

Gerade Apotheken können hier durch kontinuierliche Betreuung einen wichtigen Beitrag leisten und die Patienten langfristig begleiten.

Gemeinsam Versorgung stärken

Die Versorgung eines Ulcus cruris verlangt Erfahrung, Struktur und Kontinuität. Besonders die konsequente Kompressionstherapie spielt eine entscheidende Rolle für Heilungsverlauf und Rezidivprophylaxe.

Als Fachgroßhandel unterstützt PROVEN Apotheken mit passenden Versorgungslösungen rund um Ulkus-Strumpfsysteme, medizinische Kompressionsstrümpfe und Unterziehstrümpfe für die tägliche Versorgungspraxis.

Hinweis in eigener Sache

Passend zum Thema veranstaltet PROVEN am 04.11.2026 das Seminar „Hilfsmitteleinsatz beim Ulcus cruris“.

Im Mittelpunkt stehen die phlebologische Versorgung von Ulkus-Patienten, geeignete Hilfsmittel für die verschiedenen Behandlungsphasen sowie praxisnahe Hinweise zur Versorgung im Apothekenalltag. Das Seminar zeigt außerdem, warum eine erfolgreiche Wundversorgung nur gemeinsam mit einer konsequenten Therapie der Grunderkrankung funktionieren kann. Hier können Sie sich anmelden.

Herzliche Grüße
Ihr PROVEN-Team

Quellen: